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Nation und Nationalismus - APuZ 48/2018

Ist die Forderung, die Zeit der Nationalstaaten endlich und endgültig hinter uns zu lassen allzu voreilig oder sogar elitär?

Nationen seien "vorgestellte Gemeinschaften", so der Nationalismusforscher Bendedict Anderson. Wie ein Blick in die Geschichte zeigt, bedurfte es großer Anstrengungen und teilweise auch Gewalt, um diese Vorstellung zu formen und das Konzept vom Nationalstaat in die Realität umzusetzen. Vorstellungen aber sind veränderbar, und somit wären auch andere Formen der Gemeinschaftsbildung jenseits der Nation zumindest denkbar. Angesichts einer weltweit wahrzunehmenden Rückbesinnung auf die Nation und ihre Interessen, mithin nationalistischer Töne, scheinen solche Visionen zurzeit weit davon entfernt, Wirklichkeit zu werden. Und ist die Forderung, die Zeit der Nationalstaaten endlich und endgültig hinter uns zu lassen, angesichts der offensichtlichen geschichtlichen Wirkmächtigkeit der Idee "Nation" und der Verbindung auch mit Demokratie, mit Rechts- und Sozialstaatlichkeit, nicht allzu voreilig oder sogar elitär?